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Tag 9 Upper Pisang nach Manang

Unsere heutige Etappe soll uns nach Manang führen. Das Erreichen von Manag haben wir uns im Laufe des Treks als Minimalziel gesteckt und wären voll und ganz zufrieden von hier aus wieder die Rückfahrt anzutreten, sollten wir es nicht weiter in die Höhe schaffen. Alles was danach kommt ist also das I-Tüpfelchen.

Nun aber die Frage wie dort hin kommen. Mal wieder stehen wir vor der Frage: Straße oder Trek. Wir haben wieder einiges gelesen und selbst die fitten Trekker beschreiben diese Etappe auf dem Trek als eine der härtesten auf der ganzen Route. Hinzu kommt, dass Spirit (die Amerikanerin, die wir bereits in Jagat trafen und mit der wir in Chame Zwischenstopp machten)einen Tag vor uns startete, um von Pisang nach Manang zu kommen. Sie berichtet, was wir auch lasen: Der Trek ist wunderschön, aber sehr anspruchsvoll und war für sie nicht an einem Tag zu schaffen. Wir wollten aber an einem Tag nach Manang, um uns dort nochmals zu erholen und zu akklimatisieren. Es liegt auf knapp 3500m Höhe.

Schon in Upper Pisang merke ich, dass das Atmen etwas schwerer fällt. Insbesondere in der Nacht schlafe ich schlecht, wache häufig auf und habe das Gefühl nicht genug Luft in meine Lungen zu bekommen. Doch dieses Gefühl stellt sich als eine Art Täuschung heraus. Laut meiner Apple-Watch liegt die Sauerstoffsättigung durchgehend in einem ausgezeichneten Bereich! Ein Grund mehr, die einfachere aber dennoch 16 km lange Straße zu nehmen.

Blick auf Upper Pisang

Zunächst führt uns unser Weg von Upper Pisang nach Lower Pisang, ein steiler Trampelpfad der uns erstmal einige Höhenmeter nimmt, die wir im Laufe des Tages wieder hoch müssen. Auf der anderen Seite des Flusses können wir immer wieder den Trek sehen. Auf der einen Seite sind wir froh diesen nicht gehen zu müssen, auf der anderen Seite können wir uns vorstellen, wie schöner der Ausblick von dort ist. Aber wir bereuen unsere Entscheidung zu keinem Zeitpunkt. Die Beine sind noch etwas schwer von der Etappe am Tag davor und die ersten Kilometer führen stetig Bergauf. Wir erreichen den höchsten Punkt der ersten Hälfte unsere Etappe und es öffnet sich der Blick in das nächste Tal, das breit zu unseren Füßen liegt. In der Ferne sehen wir den Flughafen von Manang. Er besteht aus einer kleinen geflickten Landebahn und einem kleinen Abfertigungsgebäude. Was man liest ist der Flughafen seit Jahren nicht in Benutzung bzw. wird wenn dann nur von Charter Maschinen angeflogen.

Blick ins Tal in Richtung Flughafen Manang (er liegt einige km vor Manag)

Endlang des Tals kommen wir flott voran und freuen uns in der Nähe des Flughafens ein geöffnetes Restaurant zu finden, wo wir unseren Hunger und Durst stillen und die Beine ausruhen können. Wir haben schon die letzten Tage auf unserem Weg immer wieder ein Indisches Pärchen getroffen, welches etwa unser Tempo geht. Bisher hatten wir uns immer nur kurz gegrüßt und hatten jetzt die Möglichkeit etwas miteinander zu sprechen. Auch sie planen die selbe Route zu gehen, wie wir. Interessanterweise bekommen sie ihr Essen vor uns, obwohl wir deutlich vor ihnen schon bestellten. An sich nicht schlimm, nur so zieht sich unsere Pause länger als uns lieb ist. Wir sind, was die Pausen angeht immer etwas zwiegespalten. Nötig haben wir sie, aber wir fühlen uns danach auch immer platter als davor. Die Beine sind schwer und es braucht 1-2km bis wir wieder auf Touren kommen. Dennoch genießen wir unseren windgeschützten Platz in der Sonne. Für Ann-Kathrin gibt es Macaroni und für mich eine Art Apfeltasche. Noch die Wasservorräte und Thermoskannen auffüllen bevor es auf die letzten 8km geht.

Wir genießen die Ausblicke auf die umliegenden schneebedeckten Berge, die Apfelplantagen rechts und links der Straße und den Geruch der Pinienwälder, durch die uns die Straße führt. Immer wieder kommen wir auf neu betonierte Abschnitte der Straße, die sich mit einer Schotterpiste mit tiefen Löchern und großen Steinen abwechselt.

Schließlich erreichen wir nach 16km, 470 Höhenmetern und 4:45 reiner Laufzeit Manang. Noch ein letzter Anstieg hinein in den Ort und wir haben die aktuell längste Etappe geschafft.

Als nächstes steht die Suche nach einem Hotel an. Wie die letzten Tage auch, habe ich vorab die Google Rezessionen gelesen und wir haben zwei in der engeren Auswahl. Das Erste: Tilicho Hotel, hat eine Bakery, die in vielen Blogs gelobt wird. Das Hotel ist groß und entspricht dem, was wir von den letzten Unterkünften kennen. Aber sie haben „nur“ eine Solardusche und das Zimmer, das uns gezeigt wird ist kalt. Obwohl den ganzen Tag die Sonne darauf stand. Wir haben Angst nur lauwarm duschen zu können und schauen uns weiter um. Wir finden ein weiteres recht gut bewertetes Hotel. Die Zimmer sind ähnlich kalt, wir bekommen ein Zimmer mit angeschlossenem Bad angeboten und es gibt eine Dusche mit Gas Therme. Unsere Hoffnung: so lange wir wollen heiß duschen. Allerdings gilt auch hier, wie fast überall: Die Duschen in den Zimmern liefern nur kaltes Wasser. Wir müssen in die Gemeinschaftsdusche, um warm zu duschen. Wir entscheiden uns für Hotel Nummer 2. Eine Entscheidung, die wir später etwas bereuen.

Nach einer heißen Dusche wollen wir die allseits gelobte Bakery testen. Wir erreichen diese kurz nach 5. Öffnungszeit: bis 17 Uhr. Mist. Aber wir erfahren, dass man im Hotelrestaurant die gleichen Produkte, wie in der Bakery bekommt. Wir nehmen im beheizten Gastraum platz und treffen das Indische Pärchen vom Mittagessen wieder. Wir sitzen zusammen und reden viel. Über unsere Hintergründe, Pläne und mögliche Reiseziele in Indien.

Nutella Crêpes, so gut wie bei uns auf dem Weihnachtsmarkt

Nach einer heißen Schokolade und Nutella Crêpes/Schokoladenkuchen machen wir uns beim Einbruch der Dunkelheit auf den Weg in unser Hotel. Schnell wollen wir uns im dortigen Gastraum aufwärmen. Der Ofen ist zwar an, aber auf Sparflamme. Wir sitzen wenige Meter entfernt und frieren trotzdem. Auch auf mehrfache Nachfrage wird nur wenig Holz oder Yak-Mist (Yak= Eine im Himalaya lebende Rinderart) nachgelegt. Es bleibt eher ein lauwarmer als warmer Abend. Wir treffen Spirit wieder, die sich zum zweiten Mal zufällig genau das Hotel ausgesucht hat, welches wir für uns entdeckten. Heute gibt es Pizza und Yak-Burger. Der Burger ist überraschend gut, die Pizza dagegen hätten wir uns schenken sollen. Ab jetzt: keine europäischen Speisen mehr. Die sind bei uns einfach besser.

Yak-Burger (Die Pommes waren besser als sie aussehen)

Wir sitzen noch eine ganze Weile mit Spirit zusammen und sprechen über ihre nächsten Etappen. Sie hat etwas Zeitstress und will den Pass mit Hilfe eines Pferdes innerhalb von 2 Tagen und nicht, wie vorgesehen in 3 Tagen passieren. Wir sind etwas skeptisch aber hoffen, dass sie die Höhe (es geht hier um 1800 Meter die sie noch in die Höhe muss) gut übersteht.

In uns keimt immer mehr die Idee uns auch ein Pferd für die nächsten/schweren/hohen Etappen zu organisieren. Im vergleich zu einem Porter, der einen Teil des Gepäcks trägt, kann das Pferd zur Not auch einen von uns tragen, falls die Höhe doch noch stärker zuschlägt, als wir das erwarten.

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