ACT,  Nature,  Nepal,  Travel

Tag 11 Yak Kharka nach Thorong Phedi

Wir haben auf über 4000m geschlafen. Auch nicht schlechter, als in Manang. Ich war wieder häufig wach und scheine Ann-Kathrin die Decken geklaut zu haben, weshalb sie nachts fror, obwohl es uns wärmer erschien als in Manang (500m tiefer).

Wir saßen letzten Abend noch lange mit den anderen zusammen. Das erste mal waren wir eine richtig große Gruppe beim Abendessen. Wir tauschen unsere Erfahrungen aus, spielen Karten und wechseln uns mit Plätzen am Ofen ab, damit am Ende alle aufgewärmt sind. Das wichtigste, was wir von diesem Abend mitnehmen: Stets eine normale Trinkflasche mit heißem Wasser mit in den Schlafsack zu nehmen. Dieser Moment war ein Game Changer. Leider haben wir nur eine Flasche, welche wir uns teilen, aber auf einmal sind die Füße warm und selbst am nächsten Tag war das Wasser noch lauwarm. Warum kamen wir nicht selbst früher auf diese Idee?

Die Pferde warten in Yak Kharka auf die Fütterung

Heute steht also eine relativ kurze, aber nicht zuletzt aufgrund der Höhe, intensive Etappe an. Es erwarten uns 500 Höhenmeter und 7 km. Erfreulicherweise sind die meisten Anstiege lang und damit gut zu schaffen. Während der kurzen steilen Aufstiege merke besonders ich die dünne Luft. Ich muss viele Pausen machen und komme mit dem Schnaufen kaum hinterher. 

Ein schönes und völlig neues Erlebnis: Wir sind nicht mehr alleine auf dem Trek. Wir treffen immer wieder die Gruppe des letzten Abends. Meist holen wir sie da ein, wo sie gerade Pause machen, bevor sie dann wieder vor uns starten. Gegen Ende schwinden meine Kräfte merklich und wir müssen zu den anderen abreißen lassen. Wir treffen sie dann aber in unsere Unterkunft in Thorong Phedi wieder. 

Wir haben unterwegs (das erste mal bisher) das Gefühl, dass der Guide der anderen Gold Wert ist. Wir folgen streng dem Trek und stehen auf einmal vor einer etwa 2-3m langen Eisfläche, die quer über den mittlerweile schmalen Pfad geht. Es schaut nur wenig Geröll und einzelne größere Steine aus dem Eis hervor. Der Guide (Santos über ihn werde ich gleich berichten) meistert das Eis, als wäre es nichts, legt das Gepäck, das er trägt einige Meter weiter ab und springt wie eine Gazelle zurück zu uns. Wie kann man in so einer Höhe eine solche Kraft und Energie haben, ohne auch nur ein bisschen mehr Luft holen zu müssen? Er hilft nicht nur seinen Klienten über die glatte Stelle, sondern auch uns. Wir wundern uns, warum der Trek diesen Weg nimmt, da einige Hundert Meter vorher eine größere Stahlbrücke das Tal quert und von dort ein Weg ebenfalls zum Trek führt. Unser Guide kennt wohl die Tücken des Eises an dieser Stelle und nimmt direkt die Stahlbrücke.

Eisfläche auf dem Trek, Steigeisen wären auch hier schon angebracht gewesen

Es geht langsam aber sicher weiter und wir erreichen nach 2:45 Gehzeit Thorong Phedi. Auch wenn es uns während des Laufens nicht so vorkam, sind wir genau in dem Zeitfenster, das uns von den Guides und Blogs für diese Strecke vorausgesagt wurde. 

Der schmale Trek inklusive Eis

Ich überprüfe immer wieder die Sauerstoffsättigung, die besser ist, als mein Atmen erwarten lässt. Am Puls merkt man aber deutlich die Mehrbelastung. Lagen meine Maximalwerte während der letzten Wochen im Bereich um 130/min, erreicht er jetzt bis zu 160/min. Aber das war zu erwarten. Der Körper läuft auf Hochtouren. 

In Thorong Phedi angekommen, stoßen wir wieder zu unserer Gruppe des gestrigen Abends. Wir nehmen in der Sonne Platz und bestellen eine Suppe für Ann-Kathrin und gebratenen Reis für mich. Dazu eine große Kanne Tee. Wir wundern uns zunächst, da die Preise der Getränke insbesondere derer auf Grundlage von heißem Wasser deutlich stärker ansteigen, als die für das Essen. Wir zahlen mittlerweile >10€ für eine 1,5l Kanne heißen Tee, aber keine 6€ für eine Portion gebratenem Reis mit Gemüse und Ei. Noch dazu ist der Reis hier mit einer der Besten, den ich auf dem gesamten Trek gegessen habe. Wir genießen noch etwas die Sonnenstrahlen, bevor sich unsere Gruppe nach und nach verkleinert. Die einen wollen noch weiter. 500m über uns liegt das High Camp. Lange haben wir überlegt, ob wir da unsere Stop vor dem Pass einplanen sollen, uns dann aber aus folgenden Gründen dagegen entschieden: Wir hätten dann 1000 Höhenmeter zurückgelegt, was, wenn man es nicht gewohnt ist absolut nicht empfohlen wird (die Jungs waren vor einigen Tagen schon höher, deshalb sollte es ihnen nichts ausmachen). Zum anderen soll es dort richtig kalt sein und vermutlich hätten wir es nur schwer noch dort hoch geschafft. Dafür ist die Passage morgen für die Jungs um einiges kürzer. 

Gebetsfahnen am Hotel in Thorong Phedi

Aber zurück zu unserem Platz in der Sonne. Wir genießen noch unseren Tee, bevor wir beschließen noch etwas spazieren zu gehen. Es wurde von verschiedenen Seiten empfohlen nach Erreichen des Nachtquartiers noch 100-200m aufzusteigen und dann wieder abzusteigen. Das soll die Akklimatisierung verbessern und die Nacht besser machen. Wir werden sehen. 

Blick auf Thorong Phedi und die atemberaubende Kulisse

Zurück in der Unterkunft treffen wir wieder auf unsere Mitstreiter: Ein Pärchen aus Argentinien mit ihrem Guide und Barbara mit ihrem Porter. Wir spielen Karten, stärken uns nochmals mit Dal Bhat und wärmen uns mit Tee. Wir reden viel, tauschen uns aus und freunden uns an. So langsam steigt auch die Anspannung vor dem, was uns am nächsten Morgen erwartet.

Nachdem unser „Akklimatisierungs-Walk“ eine gewisse Ernüchterung zu Tage förderte: Ich war danach fix und fertig und wir sind nur etwa 150m aufgestiegen, überlegen wir uns, wie wir den nächsten Tag am Besten angehen. Wir müssen feststellen, dass es in Thorong Phedi keine weiteren Pferde gibt, unser Pferd entweder das Gepäck oder einen von uns tragen kann und dass es für mich wahrscheinlich nahezu unmöglich wird, den gesamten Aufstieg zu bewältigen.

Stets eine unglaubliche Kulisse um uns herum

Wir finden schließlich eine Lösung: Der Koch unserer Unterkunft bietet sich als Porter an, das heißt er trägt unser Gepäck, sodass das Pferd einen von uns tragen kann. So können wir abwechselnd laufen, während der andere reitet. Gerne hätten wir unseren Porter bis nach Muktinath mitgenommen, aber er wollte am selben Tag noch zurück, um ganz abzusteigen und seine Familie zu sehen. So werden wir ab dem Gipfel unsere Rucksäcke wieder selbst nehmen müssen.

Wir tauschen uns mit den andern über deren Zeitplan für den nächsten Tag aus und beschließen mit ihnen zu starten. Das bedeutet: 3:30Uhr Frühstück und 4:00Uhr Abmarsch. Unseren Guide/Pferdeführer haben wir den ganzen Abend nicht mehr finden können und hoffen dass der Koch/Porter ihm mitteilt, dass wir nicht erst um 5Uhr, sondern um 4Uhr starten möchten.

Gegen 19:00Uhr wird es zunehmend kälter im Aufenthaltsraum und unserer Bitte nach weiterem Feuerholz wird erst nach einiger Diskussion nachgekommen. Unsere Gastgeber wollen uns im Bett haben, wir müssen ja schließlich früh los. Sie haben nicht ganz unrecht, aber wir sitzen doch lieber am warmen Ofen, als dass wir in den kalten Zimmern frieren. Es gibt noch 1-2 letzte Holzscheite bevor wir uns auf den Weg ins Bett machen.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner