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Tag 10 Manang nach Yak Kharka

Endlich trauen wir uns. Wir beginnen den Trek ohne doppeltem Boden in Höhen, die wir bisher noch nie betreten haben. In mir kamen in den letzten Tagen immer mehr Zweifel auf. Schon die Höhe von Manang (zur Erinnerung es waren 3650m) hat an mir gerüttelt. Ich war sehr schnell außer Puste, habe schlecht geschlafen und gefroren. Ich weiß, wir hätten es wissen müssen, aber es dann am eigenen Leib zu spüren ist doch nochmal was anderes. Gestern Abend haben wir uns nochmal im Hotel bei Yak Burger und Dhal Bat gestärkt. Da ist mir das erste mal die Uhr mit Thermometer aufgefallen. Im „beheizten“ Raum hatte es 11 Grad. Das wurde auch trotz eines angefeuerten Ofens nicht wärmer. Am Ofen ja, am Tisch zum Essen nicht. 

Aber zurück zum heutigen Tag: Meine Nacht war bescheiden. Ich war viele Stunden wach und deshalb wenig ausgeruht, als um 8:30Uhr der Wecker klingelte. Wir wollten die ideale Zeit zum Start erwischen. Möglichst spät, sodass die Sonne ihren Dienst tun kann, aber so früh, dass wir noch in der Sonne und vor allem vor der Dunkelheit ankommen. Die Sonne verschwindet meist so gegen 15:00 Uhr hinter den hohen uns umgebenden Bergen. Und da fällt die Temperatur direkt um gefühlte 10 Grad. 

Wie erwartet startet die Route hart. Es geht zunächst nur Bergauf. Wir haben keinen Kilometer zurückgelegt, da müssen wir die erste Pause machen und uns unserer warmen Klamotten entledigen. Schon jetzt läuft mit der Schweiß nur so herunter und ich frage mich, wie ich die nächsten 9,5 km schaffen soll. 

Blick nach Manang

Wir starteten wieder, ein Schritt vor den anderen. Das erste mal, seitdem wir unterwegs sind haben wir beide Kopfhörer im Ohr. Laufen und reden gleichzeitig ist nicht möglich. Selbst bei den Pausen haben wir das Gefühl, dass wir unsere Lungen nicht voll genug bekommen können. Ein komisches Gefühl, da das Atmen während der Belastung weniger anstrengend erscheint. 

Wir kommen zunächst langsam voran und ich frage mich ob wir es noch in der Sonne schaffen. Bzw. ob wir es überhaupt schaffen. Wir gehen langsam, schweigend, stur ein Bein vor das andere setzend weiter. Ich weiß nicht wie, aber es geht. Nach 1,5km erreichen wir ein kleines Örtchen, das etwa 150m oberhalb von Manang gelegen ist. Es wirkt wie ausgestorben. Der kleine Laden am Trek ist ebenso wie ein Hotel geschlossen. 

Der Trek, ein schmaler Trampelpfand schlängelt sich am Hang entlang nach oben und immer weiter ins Tal hinein. Wir kommen nicht schnell voran, aber wir kommen voran. Nach einiger Zeit werden wir eingeholt. Von einem Mann mit einem Pferd. Die Kleidung kommt uns bekannt vor, das Gesicht auch. Es ist derjenige, den wir eigentlich am Ende unserer heutigen Etappe treffen wollten und mit Ihm und seinem Pferd den weiteren Aufstieg zu wagen. Wir dürfen unsere Rucksäcke auf den Rücken des Pferdes schnallen und es läuft sich schon direkt etwas leichter. 

Jackson, unser Begleiter für die nächsten Tage und eine große Hilfe

Nach etwa zwei Stunden erreichen wir Gunsang eine Ansammlung aus 2 Hotels, die einen Wendepunkt des Weges einläuten sollten. Ab hier soll es laut der Berichte, die wir im Vorfeld lasen mehr oder weniger eben (so gut das im Hochgebirge eben geht) Richtung Yak Kharka gehen. Wir nutzen die Möglichkeit für einen heißen Tee und eine Flasche Wasser in der Sonne und mit einem tollen Blick auf den Gangapurna. Unser „Guide“ meinte er sei 10000m hoch. Wir werden das nochmal eruieren, wie hoch er wirklich ist. Es sind 7454m. Er ist auf jeden Fall schneebedeckt, beherbergt einen Gletscher und ist einfach atemberaubend. 

Ausblick bei unserer Teepause

Nach diesem Stop geht es weiter. Mit dem Wissen, dass wir die meiste Steigung geschafft haben läuft es sich etwas leichter, wobei ich immer wieder Pausen machen muss und mich frage was schlimmer ist: Die schweren Beine beim Laufen oder das Schnaufen in den Pausen. Es ist mittlerweile nach 13:00 Uhr. Wir haben noch etwa 2h vor uns. Das heißt auf den letzten Kilometern wird es kälter. Der Weg führt in ein Seitental, auf dessen Grund wir uns auf einmal befinden. Es geht ohne wirklich knackigen Anstiegen weiter, dennoch legen wir noch einige Höhenmeter zurück. Wir passieren schließlich die 4000m. Immer wieder bleiben wir stehen, entweder weil wir eine Pause brauchen, aber vor allem weil wir die beeindruckende Kulisse genießen. Mittlerweile sind die Bäume den Büschen gewichen. Leider ist alles etwas grau, braun. Aber wir haben schließlich auch fast Mitte Dezember.

Die letzten Kilometer ziehen sich nochmal. Wir haben unseren Guide und Pferd im Nacken, die laufen als wäre das gar nichts. Ist es wahrscheinlich auch nicht, aber frustrierend ist es doch ein bisschen. Wir nutzen eine der Pausen, um mit unserem Guide über die Möglichkeit eines zweiten Pferdes zu sprechen. Wir gingen davon aus, dass er direkt vom Pass mit Spirit zurückkommt und von dort zwei Pferde dabei hat. Nun hat er lediglich eines dabei, was zwar schon dadurch, dass es unser Gepäck trägt eine Erleichterung bringt, aber damit ist das Pferd auch voll beladen. Für einen von uns ist da kein Platz mehr. Wir hatten auf ein Backup für die letzte Etappe über den Pass gehofft. Leider will er für das eine Pferd schon mehr als uns unser Mittelsmann im Hotel ursprünglich als Preis nannte. Somit ist ein zweites Pferd nicht mehr im Budget. Vor allem, da der nächste Geldautomat wahrscheinlich 2000 Höhenmeter entfernt ist. Wir haben eine letzte Hoffnung: Dass wir in der letzten Unterkunft vor dem Pass noch ein günstiges Pferd auftreiben können. 

Schließlich erreichen wir Yak Kharka. Und was soll ich sagen, es ist hübscher und größer, als ich erwartet habe. Unser Guide möchte anders, als zunächst angekündigt, in einem der ersten Hotels stoppen. Die Zimmer sind ok, wir haben eine angeschlossene Toilette, aber nur mit Wassereimer, der Preis ist wie überall hier sehr niedrig. Aber das Wichtigste, der Aufenthaltsraum wird gleich eingeheizt und es gibt eine Dusche mit Gastherme. 

Wir legen ab, bestellen einen Jasmin Tee (der erste der uns bisher angeboten wird) und hoffen auf das wärmende Feuer. Schnell wird uns empfohlen die warme Dusche zu nutzen, bevor die Leitungen einfrieren und das Duschen unmöglich wird. Wir wollen die Chance nicht verstreichen lassen und es geht unter die Dusche. Ja, sie ist warm. Aber heiß wird sie nicht. Nicht wirklich wärmer als vorher, aber wenigstens sauber nehmen wir schnell wieder im Aufenthaltsraum platz, in dem der kleine Ofen sein best Möglichstes versucht gegen die nicht ganz dichten Fenster und Wellblechdecke anzukommen.  Es gelingt ihm nur bedingt. Die Zehen werden langsam taub. Wir rücken einfach immer näher. Wir helfen mit einer Kartoffelsuppe nach. Es war mehr eine Knoblauch-Zwiebel Suppe mit Kartoffel-Einlage. Egal, sie erfüllt ihren Zweck.

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