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Tag 6 + 7 Pause in Chame

Uns ist bewusst, dass wir nicht die für den ACT typischen Trekker sind. Für uns ist das hier die erste Trekking Tour, wir sind schlecht bis gar nicht trainiert und saßen den letzten Monat gefühlt nur in unserem Jeep auf unserer Reise durch Namibia, Simbabwe und Süd-Afrika. Dennoch haben wir das Ziel, so weit wie möglich auf dem Treck voran zu kommen. Wobei wir mittlerweile für uns entschieden haben, dass eindeutig der Weg das Ziel ist und es keine Schande wäre, wenn wir es nicht über den Pass schaffen, der immerhin 5416m hoch liegt und wo es derzeit bis zu -15° C hat. Wir möchten einfach die Natur, die Leute und unseren Weg genießen.

Innenhof unseres Hotels

Wir haben uns 1 Tagestrip vor Chame dazu entschieden so weit zu laufen, wie es unsere Körper zulassen und dann den Rest der Strecke mit dem Jeep zu bewältigen, um in Chame einen oder auch mehrere Pausetage einzulegen. Vorgesehen ist das bei den ganzen Routenvorschlägen für den ACT nicht, aber für uns zwingend nötig. Ann-Kathrins Husten wurde wieder schlimmer und auch unsere Knochen sind froh über etwas Entspannung. Schnell merken wir, dass das die richtige Entscheidung war. Wir haben die erste Nacht in Chame fast 12h geschlafen. -Wir haben es gebraucht-

Unsere Unterkunft in Chame ist sicherlich die untypischste Unterkunft auf unserem Trek. Wir landeten schlussendlich im White Stupa Hotel am Ortsausgang von Chame. Ein Hotel, das erst vor ca 3 Jahren eröffnet wurde und nicht, wie die meisten anderen Unterkünfte unterwegs von einer Familie betrieben wird, sondern eher im Stil eines Hotels. Für uns war es wichtig ein möglichst warmes Zimmer (wir haben kein beheiztes Zimmer in Chame gefunden), eine warme Dusche und einen beheizten Essensraum vorzufinden. Dass das neu gebaute Hotel gemauerte Wände und dichte Fenster hat, hilft vor allem nachts, da es mittlerweile schon fast Minusgrade gibt. Das wir sogar richtige Bettdecken und Handtücher vom Hotel erhalten haben, ist mehr als wir erwarteten aber ein netter Nebeneffekt. Auch der Kaffe aus „real Beans“ (sonst wird hier vor allem Instantkaffee ausgeschenkt) ist ein netter Nebeneffekt, wobei der Kaffe nicht mit dem vergleichbar ist, was wir aus Deutschland kennen. Aber wir sind ja schließlich auch in Nepal!

Chame ist mit seinen ca 1200 Einwohnern der größte Ort vor dem Thruong la Pass. Er ist Sitz der Distriktverwaltung von Manang, dem kleines Distrikt in Nepal. Wir haben uns Chame doch etwas anders vorgestellt, als es letzendlich ist. Es ist kein süßer kleiner Bergort. Es ist nicht schön, aber auch nicht hässlich. Irgendetwas dazwischen. Die Unterkünfte wirken fast durchweg runtergekommener und mit weniger Liebe gepflegt, als in jedem anderen Ort den wir bisher gesehen haben.

Blick vom Innenhof des Hotel auf die umliegenden Gipfel in der Abenddämmerung

Gut für uns ist die etwas erweiterte Infrastruktur. Es gibt einige kleine Geschäfte, die auch Trekkingausrüstung verkaufen. So können wir unsere eh schon vollen Rucksäcke weiter überfüllen und Moritz kauft sich eine Fleecejacke, um den kalten Temperaturen entgegenzuwirken. Auch sie muss in den warmen Etappen außen am Rucksack Platz finden, weil die Rucksäcke innen schon überfüllt sind. Aber wer will schon frieren?

Auch sind wir froh, um die Möglichkeit im Krankenhaus einige Medikamente für Ann-Kathrin zu bekommen. Ich bin ohne Ann-Kathrin dort hin gelaufen, da ich dachte ich könnte dort wie in einer Apotheke Medikamente kaufen. Ich hatte ja mit einfachen Verhältnissen gerechnet, war dann aber von dem Krankenhaus doch überrascht. Es lag umgeben von unfertigen Rohbauten, die vielleicht in einigen Jahren eine ordentliche Klinik hervorbringen sollen. Es bestand aus einer Art Scheune durch einfache Bretterwände unterteilt. Im großen Vorraum fand sich ein Holzofen um den Sofas und Stühle positioniert waren. Hier sollte ich auch auf den Arzt warten, der per Handy gerufen wurde um mir die entsprechenden Medikamente zu geben. Nebenher lief Nepalesisches Fernsehen und die Krankenschwestern? Falteten Kompressen zusammen. Der Notfall-Behandlungsraum war durch ein Papierschild ausgeschildert. Ich konnte einen Blick hinein erhaschen und fand zumindest einige Infusionen und ähnliches vor. Der Arzt kam schnell und nach einer kurzen Schilderung von Ann-Kathrins Symptomen wurden mir entsprechende Medikamente ausgehändigt. Gekostet hat das dann 2000 Nepalesische Rupien, was etwa 14€ entspricht. Das ist mehr, als wir wahrscheinlich in Kathmandu in einer Apotheke bezahlt hätten aber ich habe die Hoffnung, dass das Geld beim Krankenhaus bleibt und schlussendlich den Einwohnern zu Gute kommt.

Krankenhaus von Chame

Die „Vorteile“ des Hotels bringen aber auch direkt die „Nachteile“ im Vergleich zu einer Familien geführten Unterkunft. Das Abendessen bekommen wir in einem etwas steril wirkenden Speisesaal. Auch frisch zubereitet, aber eben vom Koch und nicht von der Mama oder Oma der Unterkunft. Der Tee kommt in richtigen Thermoskannen, es gibt indirekte blaue Beleuchtung. Für jetzt ideal, aber wir freuen uns auch wieder darauf hoffentlich mit der Dame der nächsten Unterkunft am Feuer in der Küche sitzen zu dürfen und uns mit Händen und Füßen zu verständigen, weil sie kein Englisch und wir kein Nepalesisch sprechen.

Wir haben schon vor einigen Tagen eine Amerikanerin -Spirit- kennen gelernt, die wir immer wieder unterwegs trafen und die mit uns hier einen Pause Tag einlegt. Mit ihr hatten wir einige spannende Gespräche

Außer uns gibt es keine Gäste im Hotel. Es hat zu dieser Zeit generell wenig Touristen und vermutlich verlaufen sich die wenigsten übrig gebliebenen an das Ende des Ortes. Uns stört das aber nicht, wir sind froh über die Ruhe und Möglichkeit uns zu erholen und zu Kräften zu kommen. Dennoch waren wir verwundert dass der Hausherr nur wiederwillig von den 1500 Rupien pro Nacht pro Zimmer (ca 11€) abrückte, haben wir doch die Erfahrung gemacht, dass wir überall einen Discount oder sogar eine kostenlose Nacht bekamen, wenn wir in der Unterkunft Frühstück und Abendessen einnahmen.

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